[Rezension] Ein unerwarteter Gast - Agatha Christie

Titel: Ein unerwarteter Gast
Autor: Agatha Christie / Charles Oswald
Seitenzahl: 157
Verlag: Fischer Scherz
ISBN-10: 3502101167
ISBN-13: 978-3502101161
Erscheinung Erstausgabe: 1958 (Uraufführung Theaterstück), 1999 (Buch GB)
Genre: Kriminalroman
Handlungsort: Südwales
Klappentext:
Ein Fremder, der auf einer Landstraße im dichten Nebel mit seinem Auto verunglückt ist, betritt in seiner Suche nach einem Telefon ein Haus. Dort findet er einen Mann erschossen im Rollstuhl sitzen und seine Ehefrau mit einer Pistole in der Hand daneben stehend. Anstatt die Polizei zu rufen, beginnt der Fremde ein Gespräch mit der Frau, die er sehr attraktiv findet und hilft anscheinend bald dabei einen Mord zu vertuschen.
Cover und Gestaltung:
Diese Geschichte gibt es noch nicht in der neu aufgelegten und einheitlichen Atlantik Ausgabe. Bei meiner Ausgabe vom Scherz Verlag sieht man einen toten Mann im Rollstuhl vor einer offenen Terrassentür sitzen, was sehr gut zum Inhalt der Geschichte passt.
Meine Meinung:
"Der unerwartete Gast" ist eigentlich ein von Agatha Christie geschriebenes Theaterstück aus dem Jahre 1958. Erst 1999 wurde es erstmals von Charles Oswald in Romanform gebracht.
Man merkt der Geschichte auch ihren Ursprung als Theaterstück an, denn es beginnt wie eine Art Kammerspiel, dass nur das Arbeitszimmer des toten Mannes als Schauplatz hat und über mehrere Kapitel auch nur aus einem Gespräch zwischen dem Fremden "Gast" Michael Starkwedder und Laura Warwick, der Ehefrau des Ermordeten besteht. Nach und nach kommen später noch mehr Mitglieder der Familie des Mannes hinzu, aber der Schauplatz bleibt fast durchgängig derselbe.
Allerdings muss man sagen, dass die Charaktere dadurch und durch die Kürze der Geschichte auch nicht so gut ausgearbeitet sind, wie aus anderen Agatha Christie Büchern gewohnt.
Anfangs meint man es sei ziemlich Offensichtlich, dass die Laura Warwick ihren Ehemann ermordet hat. Doch nach und nach werden neue Personen der Familie in die Geschichte eingeführt, die in gewohnter Agatha Christie Manier alle ein Motiv für den Mord hatten, denn der Tote stellt sich als ziemlich jähzorniger Haustyrann heraus.
Da wären neben den beiden noch die Mutter des Ermordeten, die Hausangestellten, die kein sonderlich gutes Verhältnis zu ihrem Hausherrn gehabt zu haben scheinen und Jan, der geistig etwas zurück gebliebene Halbbruder des Verstorbenen, der von ihm in ein Heim gebracht werden sollte. Ausserdem kommt auch noch Julian Farrar, ein Freund der Familie aus der Nachbarschaft und aufstrebender Politiker vorbei, mit dem Laura Warwick eine geheime Affäre hat.
Die Geschichte wird aus der 3. Person teilweise aus Sicht des "Gastes" Michael Starkwedder und später dann teilweise aus der Sicht der Ermittler Inspektor Thomas und Sergeant Cadwallader erzählt. Einer der klassischen Christie Ermittler kommt im Buch nicht vor.
Durch beide Erzählperspektiven hat der Leser einen Wissensvorsprung gegenüber einigen Personen und weiß zum Beispiel, dass die Polizisten einem gefälschten Beweisstück folgen.
Aber mit zunehmendem Lauf der Geschichte und hinzukommenden Personen, setzen auch beim Leser immer mehr geschickt gestreute Zweifel ein, ob das Offensichtliche hier der
Wahrheit entspricht.
Fazit:
"Ein unerwarteter Gast" ist ein spannendes kleines Verwirrspiel, dem man seinen Ursprung aus einem Theaterstück noch anmerkt. Es gibt sicher noch viele bessere Christies, aber wer die Autorin oder Whodunit-Krimis zum miträtseln mag, dem kann man dieses kurze Büchlein, das man auch an einem Abend lesen kann, sicher empfehlen.


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