Donnerstag, 14. Mai 2015

[Rezension] Das Institut der letzten Wünsche - Antonia Michaelis

[Rezension] Das Institut der letzten Wünsche - Antonia Michaelis


Titel: Das Institut der letzten Wünsche
Autor: Antonia Michaelis
Seitenzahl: 496
Verlag: Knaur HC
ISBN-10: 3764531215
ISBN-13: 978-3464531218
Erscheinung Erstausgabe: 01.04.2015

Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur






Inhalt:

Mathilda arbeitet zusammen mit ihrer Chefin Ingeborg im Institut der letzten Wünsche, welches versucht sterbenskranken Menschen ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Sei es ein letztes Mal Weihnachten zu feiern, noch einmal Schnee zu sehen oder ein Konzert einer längst verstorbenen Opernsängerin. Eines Tages betritt Birger Raavenstein das Institut mit dem letzten Wunsch seine große Liebe Doreen und ihr gemeinsames Kind wiederzufinden. Mathilda nimmt sich auch diesem Wunsch an, ist aber bald dabei eine wichtige Regel des Instituts zu brechen, nämlich die,sich nie in einen ihrer Klienten zu verlieben.




Cover und Gestaltung:

Das Cover zeigt eine Frau, die mit einem Schirm durch einen blühenden Park springt. Es ist in wunderschönen Farben gestaltet und 
wirkt dabei sehr träumerisch. Somit passt es perfekt zu Mathilda und der Geschichte. Auch die Leichtigkeit und die lebensbejahende Stimmung, die dieses Buch trotz des traurigen Themas vermittelt, bringt das Cover sehr gut rüber.



Meine Meinung:


Ein Institut der letzten Wünsche ist eine sehr schöne Idee. Trotzdem hatte mich der Klappentext allein jetzt nicht so sehr angesprochen, da die Geschichte doch recht vorhersehbar klang. Aber allein aufgrund der Tatsache, dass es ein Buch von einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen ist, von deren Jugendbüchern ich restlos begeistert war, musste ich auch dieses lesen. Und das war gut so, denn Antonia Michaelis macht auch diese zu einer wundervollen, einzigartigen und ergreifenden Geschichte.

Mathildas ungewöhnlicher Job ist es Menschen, die nicht mehr länger als 6 Monate zu leben haben ihre letzten Wünsche zu erfüllen. Sei es ein letztes Mal Schnee zu sehen, noch einmal nachts in der Spree baden zu gehen oder einmal ein eigenes Bild in einer Galerie ausgestellt zu sehen. Sie versucht so viele dieser Wünsche wie möglich zu erfüllen und sei es auch mit kleinen Flunkereien, die Hauptsache dabei ist der Glaube des Sterbenden daran seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt bekommen zu haben und danach friedlich einschlafen zu können. 
Somit ist natürlich ein zentrales Thema des Buches der Tod. Dennoch ist die Stimmung nicht so bedrückend und melancholisch, wie es auf den ersten Blick klingen mag. Das Buch beinhaltet auch viel Leichtigkeit und Wortwitz. Diese humorvollen und amüsanten Momente überwogen für mich sogar beim Lesen. Auf der anderen Seite gibt es auch nachdenkliche Augenblicke, wodurch die Ernsthaftigkeit des Themas trotzdem erhalten bleibt. Es setzt sich mit ernsten Themen wie Sterbehilfe auseinander. Man kommt selbst ins Grübeln, ob man einem geliebten Menschen, der sterbenskrank ist nicht eher einen letzten Wunsch erfüllen würde oder ob man ihn lieber stattdessen im Krankenhaus liegen lassen würde, wo er durch die medizinische Versorgung vielleicht noch 2 Wochen länger zu leben hätte.
Außerdem denkt man unwillkürlich darüber nach, was denn ein eigener letzter Wunsch wäre bzw. wie man seine letzte Zeit nutzen würde, wenn man eine Diagnose erhält, bei der man nur noch wenige Wochen zu leben hätte.

Antonia Michaelis besticht auch in diesem Buch wieder mit ganz speziellen, von der Norm abweichenden Charakteren. Mathilda mit ihrer sehr verträumten, kindlichen Art, die mehr in ihrer rosaroten Seifenblasenwelt lebt, sich Stoffreste mit veralteten Kindermotiven auf die Kleidung näht und mit ihrem Hund Eddie den Tatort am liebsten auf Türkisch schaut. 
Dagegen ihre robuste sachliche, aber auch teilweise sarkastische Chefin Ingeborg.
Oder der todkranke verschrobene Birger mit seinem grauen Regenmantel und seiner verwehten Frisur, der immer aussieht, als sei er gerade in einen Sturm gekommen. 
Es dauerte einige Zeit, bis ich diese etwas verrückten Charaktere zu greifen bekam, aber nach und nach wachsen sie einem immer mehr ans Herz und am Ende mag man sie kaum mehr loslassen.
Besonders toll fand ich, dass das Buch keine reine Liebesgeschichte ist, wie der Klappentext vielleicht suggerieren mag, sondern es über weite Strecken einfach auch um viele andere Klienten des Instituts und ihre letzten Wünsche ging. Die Nebencharaktere sind in diesem Buch daher ebenfalls sehr liebevoll gezeichnet und ihre Hintergrundgeschichten mit viel Einfühlungsvermögen beschrieben. 
Die gesamte Geschichte reißt unglaublich mit und auch das Ende ist dann doch entgegen meiner Vermutungen überraschend gut gelungen und stimmig.

Hinzu kommt Antonia Michaelis ganz eigener poetisch malerischer Schreibstil voller Metaphern, wie man ihn aus ihren anderen Büchern kennt. Durch diese ganz eigene Handschrift lässt sie die Szenen sehr bildhaft wirken und macht auch diese Geschichte zu etwas ganz wundervollem.



Fazit:

Das Institut der letzten Wünsche ist eine wundervolle, zu Herzen gehende und tiefgründige Geschichte über die letzten Wochen von sterbenskranken Menschen. Es erzählt wunderbar von Wünschen und Träumen und wie diese noch einmal ausgelebt und festgehalten werden, bevor man friedlich aus dem Leben tritt. Traurig melancholisch, aber zugleich auch lebensbejahend und mit sehr vielen humorvollen Momente zum schmunzeln.






   Originalität     

   Umsetzung      

    Schreibstil      

     Charaktere     

         Tempo        

            Tiefe        

         Lesespaß      




Vielen Dank an den Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!




Kommentare:

  1. Hallöchen,
    hach ja, wie ich dieses Buch einfach nur vergöttert habe. Am Anfang habe ich noch gedacht.. naja was soll das schon werden, ein bisschen kitschig irgendwie und überhaupt dass sie sich so schnell verliebt und dann nahm das Buch so rasant Fahrt auf, dass man kaum hinterher kam.
    Ich fand es wirklich toll gemacht. Ich habe mich einfach in diesem Buch verloren.

    Liebst, Lotta

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    1. Hallo,
      mir ging es ähnlich, als ich den Klappentext gelesen habe. Hätte mich jetzt auch nicht so angesprochen, wenn es nicht von Antonia Michaelis gewesen wäre. Aber sie macht das einfach wieder zu einer ganz besonderen Geschichte. Ich liebe die Autorin :)

      Liebe Grüße, Julia

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