Montag, 31. August 2026

[Rezension] Atme - Judith Merchant

[Rezension] Atme - Judith Merchant



Titel: Atme
Autor: Judith Merchant
Seitenzahl: 384
Verlag: KiWi
ISBN-10: 3462001825
ISBN-13: 978-3462001822
Erscheinung Erstausgabe: 09.09.2021
Genre: Psychothriller, Psychodrama
Handlungsort: in einer anonymen Großestadt in Deutschland



Inhalt:

DU traust mir. SIE traut dir. ICH traue niemandem. Eben noch war Ben in der Boutique, in der Nile ein Kleid anprobierte, doch als sie aus der Umkleidekabine kommt, ist ihr Freund spurlos verschwunden. Nile ist sich sicher: Es muss etwas Schreckliches passiert sein. Aber niemand will ihr glauben. Also muss sie ausgerechnet ihre größte Feindin um Hilfe bitten: Flo, die Frau, mit der Ben noch verheiratet ist. Zu Niles Erstaunen ist diese sehr kooperativ. Doch dann entdecken die beiden Frauen immer mehr Ungereimtheiten in Bens Leben. Und die gemeinsam begonnene Suche entwickelt sich zu einer atemlosen Jagd, denn Nile erkennt: In diesem perfiden Spiel kann sie niemandem trauen. Schon gar nicht Flo.


Cover und Gestaltung:


Das Cover ist in Schwarz-Weiß gehalten und sieht vom Stil so aus wie "Schweig", das zweite Buch der Autorin. 
Im Zentrum steht der Buchtitel "Atme", der als Spiegel für 2 Silhouetten einer Person fungiert. Dies symbolisiert sehr gut das Spiel mit den verschwimmenden Realitäten in der Geschichte.


Meine Meinung:

Der Roman beginnt direkt mit der Situation im Brautmodengeschäft, als Nile nach Anprobe eines Kleides plötzlich feststellt, dass ihr Mann Ben, der vor der Ankleidekabine gesessen hatte, plötzlich weg ist. So baut sich direkt von Anfang an Spannung auf und man wird gleich in das Buch hineingezogen.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Nile erzählt und man merkt daher relativ schnell, dass sie ein sehr spezieller Charakter ist. Sie reagiert sehr schnell sehr emotional und panisch und ihre Gedankenwelt ist wirr. Auch ihre Handlungen in den Rückblenden zu ihrer Beziehung mit Ben sind komisch und unreif. So kommen dem Leser ziemlich schnell Zweifel, ob sie eine zuverlässige Erzählerin ist und was Realität und was Wunschvorstellung ist.

Die zweite Protagonistin in diesem Buch ist Flo, Bens Noch-Ehefrau. Sie ist zwar Niles Erzfeindin, aber in der Not weiß sie sich nicht anders zu helfen, als Flo um Hilfe bei der Suche nach Ben zu bitten. Nach außen hin zeigt sich Flo kooperativ, doch als Leser haben wir nur den Blick von Nile als Ich-Erzählerin auf sie, wodurch man auch bei ihr ins Zweifeln kommt, welche Absichten sie wirklich verfolgt.

Das Buch lässt sich aufgrund der kurzen Kapitel und dem Sog, den es rasch entwickelt, sehr schnell lesen. Die Autorin nutzt sehr kurze, teils abgehakte Sätze oder teilweise auch nur Satzfragmente. Dieser Stil spiegelt die Panik, Atemlosigkeit und die zunehmende Anspannung der Protagonistin wider und ist auch der Bezug zum Buchtitle "Atme". Der Satz "Atme" oder "Du musst nur atmen" ist dabei auch immer wiederkehrend in der Geschichte während Niles Panikattacken. Es ist ein Thriller, der ohne viel Blut auskommt, sondern sich mehr mit der menschlichen Psyche beschäftigt.

Viele fanden das Ende nicht so gelungen oder meinen es nicht verstanden zu haben. Ich hingegen fand das Ende sehr gut und hatte damit keine Probleme. Ich mag Bücher wie dieses, dass wirklich erst auf der allerletzten Seite die Auflösung enthält, die man aber wenn man die vorherigen Andeutungen aufmerksam gelesen und rekapituliert hat, nachvollziehen kann.


Fazit:   

"Atme" ist ein psychologisch spannendes Verwirrspiel mit einer unzuverlässigen Erzählerin, in dem die Autorin mit verschwimmenden Realitäten spielt und einige Wendungen und doppelte Böden eingebaut hat. Ich kann es wie auch "Schweig", den zweiten Roman der Autorin, allen weiterempfehlen.





   Originalität     

   Umsetzung      

    Schreibstil      

     Charaktere    

        Tempo        

          Tiefe         


        Lesespaß      



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