
Titel: Blinder Instinkt
Autor: Andreas Winkelmann
Seitenzahl: 416
Verlag: Goldmann
ISBN-10: 3442473381
ISBN-13: 978-3442473380
Erscheinung Erstausgabe: 12.01.2011
Lesezeitraum:
07.04.2014 - 12.04.2014
Inhalt:
Ein blindes 8 jähriges Mädchen wird nachts aus einem Behindertenheim entführt. Die ermittelnde Kommissarin Franziska Gottlob sieht Parallelen zu einem Fall von vor 10 Jahren, bei dem die damals ebenfalls 8 jährige blinde Sina spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht ist. Max der ältere Bruder von Sina, der an diesem Tag eigentlich auf sie aufpassen sollte wird seitdem von Schuldgefühlen geplagt und sieht seine Chance auf Rache an dem Psychopaten, nachdem die Kommissarin Kontakt zu ihm aufnimmt und ihn um Mithilfe bei dem neuen Fall bittet.
Cover und Gestaltung:Das Cover gefällt mir sehr gut. Es ist eine gelungene Abwechslung zu den ganzen schwarzen Thrillern. Das auf dem Cover abgebildete Blatt ist auch sehr passend zur Geschichte.
Meine Meinung:
Den Einstieg in das Buch fand ich sehr gelungen und vielversprechend. Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, der 10 Jahre vor der eigentlichen, im Buch erzählten Geschichte spielt und schildert, wie das erste blinde Mädchen Sina entführt wird. Auch im Verlaufe des Buches wird zwischendurch in Rückblenden in die Vergangenheit erzählt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Diese Passagen aus der Vergangenheit haben mir sehr gut gefallen, da sie auch sehr schön das besondere Verhältnis von Sina und ihrem großen Bruder Max darstellen: eine richtig intensive Geschwisterliebe.
Der Großteil der Handlung spielt in der Gegenwart, in der wieder ein blindes Mädchen aus einem Heim für behinderte Kinder spurlos verschwindet. Dabei wird die Handlung jedoch aus den immer wechselnden Perspektiven von Max, der Ermittlerin Franziska, dem entführten Mädchen Sarah und schließlich auch dem Täter erzählt. Dies fand ich ebenfalls äußerst gelungen, da man so viel mehr über die Gedanken der einzeln Personen erfährt und viel mehr Nähe zu diesen geschaffen wird. Besonders die Sicht des Täters und seine kranken Gedankengänge fand ich hierbei sehr fesselnd.
Bis ca. zur Hälfte des Buches war es für mich ein Top Psychothriller. Der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig und die Handlung geht rasant vorwärts, so dass es sich schnell lesen lässt. Teilweise ist es so spannend, dass man sich jedes Mal ärgerte, wenn man am Ende des Kapitels wissen wollte, wie es weitergeht, aber das nächste Kapitel mit einer anderen Perspektive fortsetzt. An Dramatik, aber auch an Gefühl hatte die erste Hälfte des Buches viel zu bieten.
Nach dieser ersten so vielverspechenden Hälfte wurde es dann aber für mich leider nur ein durchschnittlicher Verfolgungsthriller. Viel zu schnell für einen Thriller war der Täter klar und die Handlung wurde sehr geradlinig. Die vielen überraschenden Wendungen, die auf der Rückseite versprochen wurden blieben für mich aus. Es geht nur noch um die Verfolgung des Täters und diese war für mich unnötig in die Länge gezogen. So toll ich die eingesetzten Perspektivwechsel im ersten Teil des Buches fand, so sehr langweilte es mich dann, zum zweiten oder dritten Mal hintereinander aus verschiedenen Perspektiven zu lesen durch welche Gänge der Täter verfolgt wird etc. Da war für mich die Spannung weg, zu mal man sich den weiteren Handlungsverlauf ziemlich denken konnte.
Nach dieser für mich viel zu langgestreckten Verfolgungsjagd über 150 Seiten endet das Buch aber dann doch sehr abrupt und überstürzt. Auf die einzig große Wendung bzw. Überraschung am Ende wird so gut wie gar nicht mehr eingegangen. Und während in der ersten Hälfte des Buches die Perspektive des Täters noch so interessant dargestellt wurde, fehlte mir da am Schluss aber dann doch noch einiges an Erklärungen warum der Täter gerade so handelt. Viele Dinge aus der Kindheit wurden im Verlauf des Buches mal kurz in einer Passage angeschnitten und dann nie wieder aufgegriffen. Und auch am Ende wurde der Täter überhaupt nicht noch mal erwähnt.
Alles in allem fand ich den Beginn grandios und wurde im Verlauf des Buches eher enttäuscht. Ich finde nach dem vielversprechenden Anfang wäre da sehr viel mehr drin gewesen.
Fazit:
"Blinder Instinkt" ist für mich ein durchschnittlicher Psychothriller. Der Anfang des Buches ist sehr spannend und vielversprechend geschrieben. Mit zunehmender Länge konnte es aber meiner Meinung nach den Spannungsbogen nicht aufrechterhalten. Alles in allem ein eher überschaubarer und wenig ausgefeilter Plot mit ein paar interessanten Einblicken in die Psyche des Täters, aber am Ende blieben mir zu viele Fragen offen.
Insgesamt erhält es von mir 2 von 5 Sternen.

