Mittwoch, 1. Oktober 2014

[Rezension] Stigma - Michael Hübner

[Rezension] Stigma - Michael Hübner




Titel: Stigma
Autor: Michael Hübner
Seitenzahl: 448
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-10: 3442474175
ISBN-13: 978-3442474172
Erscheinung Erstausgabe: 18.04.2011





Lesezeitraum: 25.09.14 - 29.09.14


Inhalt:

Als Tom Kessler 13 Jahre alt ist gerät er für einige Stunden in die Hände eines sadistischen Serienmörders. Er kann zwar befreit werden, aber trägt ein Trauma davon, dass seine kompletten Erinnerungen blockiert und immer wieder Panikattacken auslöst. 
Auch 13 Jahre später hat Tom sein Trauma noch nicht überwunden. Er ist zwar ein erfolgreicher Schriftsteller geworden, aber lebt abgeschottet mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn und versucht jeglichen Kontakt zur Außenwelt zu vermeiden. Als wieder ein totes Mädchen unter den selben Umständen wie vor 13 Jahren entdeckt wird und bei diesem auch noch ein Zettel an Tom liegt, der anscheinend von seinem Peiniger, der sich jedoch eigentlich nach seiner Tat vor 13 Jahren das Leben nahm an, stammt, gerät Toms Leben völlig aus den Fugen. Seine Therapeutin rät ihm draufhin zu einer Hypnosetherapie, um sich an die Ereignisse von damals zu erinnern....


Cover und Gestaltung:

Das Cover zeigt eine weiße Wand, von der der Putz abblättert und mit Blut der Titel geschrieben ist. Obwohl ich sonst eigentlich so blutrünstige, reißerische Cover nicht mag, gefällt mir dieses durch seine haptische Komponente sehr gut. Das ganze ist in Spotlackoptik dargestellt und ich könnte die ganze Zeit über das Buch streichen.

Es erweckt allerdings den Eindruck eines sehr blutigen Thrillers. Auch wenn die ein oder andere blutige Szene dabei ist, würde ich dieses Buch jedoch viel mehr als Psychothriller einordnen.


Meine Meinung:

Bei "Stigma" bekommt man es, auch wenn es hier vom Verlag nicht so auf dem Cover gekennzeichnet wurde, einmal mit einem wirklichen PSYCHOthriller zu tun. Das Seelenleben des Protagonisten Tom Kessler nimmt hier sehr viel Platz ein. In aller Tiefe wird man in seine Erlebnisse aus der Kindheit und dem daraus resultierenden Trauma in seinem späteren Leben eingeführt. Toms Ängste und die Beklemmung, die Panikattacken bis hin zu seinen Flashbacks nehmen vor allem im ersten von vier Abschnitten des Buches enorm viel Platz ein. Im Gegensatz dazu wird auf die Nebencharaktere nicht sonderlich detailliert eingegangen und sie wirken sehr eindimensional. Warum der Autor diesen Aufbau und diese Erzählweise gewählt hat, wird allerdings im Nachhinein klar. Da man dies jedoch während des Lesens noch nicht weiß, wirkte das Buch besonders im ersten Abschnitt doch sehr einschläfernd auf mich. Dennoch kann ich nun nach Beenden des Buches sagen, dass es sich lohnt weiter zu lesen. 


Mit Abschnitt 2 nimmt die Geschichte mehr Fahrt auf, die Geschehnisse reihen sich temporeich aneinander und Michael Hübner baut viele Wirrungen, Ungereimtheiten und mysteriöse Dinge in die Geschichte ein. 
Mit der Zeit erfährt man durch die Hypnose und Toms Erinnerungsblitzen immer mehr über die Geschehnisse, die Tom als 13 jähriger in einem Keller durchleben musste. Das Buch ist dabei aber keinesfalls so blutig wie das Cover es suggeriert. Auch wenn es einige etwas ekelige Stellen gibt, so hatten diese Passagen für mich eher einen gruseligen, schaurigen Charakter.

Trotz einiger Längen am Anfang des Buches, gefällt mir der Schreibstil von Michael Hübner richtig gut. Er schreibt sehr ausdrucksstark und bildhaft, so dass man Toms Verzweiflung, die Panik, seine innere Zerrissenheit und Hilflosigkeit förmlich spüren konnte und die bedrohliche Atmosphäre im Buch teilweise richtig unter die Haut ging.

Michael Hübner führt den Leser über das ganze Buch hinweg sehr geschickt an der Nase herum und auf die sehr ungewöhnliche Auflösung des Buches wird wohl niemand kommen. Ob diese jedoch jedermanns Sache ist, wage ich noch zu bezweifeln, denn ich weiß selbst noch nicht einmal hundertprozentig, was ich davon halten soll. Aber da es mal etwas ganz anderes ist und ich selten so überrascht wurde, war ich dann doch ganz angetan davon. Im Nachhinein stellt sich die Geschichte und der Aufbau auch als überaus gut durchdacht hin.


Fazit:

"Stigma" ist ein psychologisch ausgefeilter und klug durchdachter Psychothriller, in dem nichts so ist, wie es scheint. Eine Reise durch eine, aufgrund eines Kindheitstraumas verwundete Psyche, die einen verblüfft und sprachlos zurück lässt. Auch wenn dieses Buch kein absoluter Pageturner ist, sollte man dieses definitiv erst nach den letzten Seiten bewerten.
Von mir erhält das Buch insgesamt 4 Sterne und ich werde sicherlich noch eines der anderen Bücher des Autors lesen.




      Originalität  

      Umsetzung    

       Schreibstil    

      Charaktere    

         Tempo        

           Tiefe         

         Lesespaß    



Kommentare:

  1. Bei mir hat das Buch mit drei Sternen abgeschnitten, kann mich deinen Ausführungen aber weitgehend anschließen, die Auflösung ist verblüffend und gut! Meine Rezension geht auch nächste Woche online, ich habe neben der zähen Entwicklung im ersten Teil auch den Schreibtstil als zu glatt empfunden, der hat mich irgendwie gar nicht gepackt, aber das sind ja immer alles so Sachen, die einfach jeder ganz anders wahrnimmt. Bei der Auflösung teile ich deine Gefühle, ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Kniff nicht jedem zusagt und doch war es für mich der stärkste Part an dem Buch, ohne dieses Ende wäre das Buch bei mir sogar auf 2 Sterne gerutscht. Deswegen ist auch meine Neugier so groß, ein zweites Buch von ihm zu lesen. Das mag absurd klingen, aber mich interessiert an dieser Stelle, was wirklich in dem Autor steckt. So ein Ende kann man ja eigentlich kein zweites Mal schreiben und da ich immer gern Entwicklungen bei Autoren verfolge, brennt es mir unter den Nägeln, herauszufinden, was er sich für sein zweites Buch überlegt hat und ob es dort auch wieder diese Längen gibt oder ob das hier dem aufbau der Handlung geschuldet war. :)

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    1. Mir hat das atmosphärisch eigentlich sehr gut gefallen. Schön schaurig und die Stimmung ist trotz der Längen bei mir gut rüber gekommen. Deswegen hat es auch 4 Sterne von mir bekommen :)

      Aber ich bin auch sehr gespannt, wie die anderen Bücher so sind, eben weil man dieses Schema nur einmal fahren kann. Ich glaube das 2. Buch ist "Sterbestunde" oder so ähnlich. Ich hab aber jetzt gelesen, dass viele von "Todesdrang" so begeistert waren und mir das erstmal auf die Wunschliste gesetzt. Naja mal sehen.

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