Sonntag, 5. Januar 2014

Sorry - Zoran Drvenkar

[Rezension] Sorry - Zoran Drvenkar



  • Titel: Sorry
  • Autor: Zoran Drvenkar
  • Verlag: Ullstein
  • Seitenzahl: 400
  • ISBN-10: 3550087721
  • ISBN-13: 978-3550087721
  • Erscheinung Erstausgabe: 12.02.2009



Lesezeitraum:

28.-31.10.2013


Inhalt:      

Die 4 Freunde Kris, Wolf, Tamara und Frauke möchten sich mit einer Agentur, die sich gegen Entlohnung für andere Leute entschuldigt selbstständig machen. Alles läuft bestens und die Geschäftsidee erweist sich als äußerst lukrativ bis zu dem Tag, an dem sie bei einem anonymen Auftrag ihrer Agentur eine entsetzlich zugerichtete Leiche entdecken, bei der sie sich entschuldigen sollen. Ein perfides Katz- und Mausspiel mit dem Mörder beginnt....


Cover und Gestaltung:

Das Cover ist schlicht in schwarz und dunkelblau gehalten. Es passt sehr gut zu der düsteren, bedrückenden Stimmung der Geschichte. In weiß sieht man den Schriftzug Sorry auf dem dunklen Hintergrund. Er ist in mehreren Ebenen abgedruckt, so dass er sehr verschwommen wirkt. Genauso wie weiß und schwarz, Gut und Böse, Täter und Opfer in dieser Geschichte verschwimmen. 



Meine Meinung:

Ich bin nur durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und kannte den Autor zuvor noch gar nicht. Angezogen wurde ich durch diesen ungewöhnlich klingenden Plot. Und ich wurde nicht enttäuscht, allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung auf was ich mich einließ.  

Sofort auf den ersten Seiten ist man mittendrin in der Geschichte, denn direkt im ersten Kapitel wird sehr detailliert ein Mord geschildert, der brutaler kaum sein könnte. Und auch wenn ich normalerweise keine Probleme mit solchen Szenen habe und sehr thrillererprobt bin, war das eine der härtesten Szenen, die ich bis jetzt je gelesen habe und bei der selbst bei mir etwas Übelkeit aufstieg.
Was bereits auf den ersten Seiten auffällt ist der sehr ungewöhnliche Schreibstil, sowie die besondere Erzählweise von Zoran Drvenkar. Das Buch ist in alter Rechtschreibung geschrieben und die direkte Rede ist nicht durch die üblichen Satzzeichen gekennzeichnet, sondern nur mit einem Gedankenstrich. An diese Besonderheiten des Schreibstils gewöhnt man sich jedoch recht schnell. Was anfangs noch viel verwirrender für mich war, aber meiner Meinung nach auch zur immensen Spannung dieses Buches beiträgt, sind die verschiedenen Erzählperspektiven, da man teilweise gar nicht genau weiß was ganze Kapitel zu bedeuten haben. Es finden häufig Zeitsprünge, sowie der ständige Wechsel der Erzählperspektiven statt. Dabei werden die einzelnen Kapitel von den verschiedenen Hauptcharakteren erzählt, aber es gibt auch Kapitel, die mit so nichtssagenden Überschriften wie „Der Mann der nicht da war“ betitelt sind oder in denen der Autor den Leser direkt mit "DU" anspricht und ihn dem Mörder scheinbar gleichsetzt.
Wen er damit meint wird dem Leser erst ganz zum Schluss klar. Der Handlungsverlauf ist kaum vorhersehbar und es gelingt dem Autor seine Leser durch zahlreiche Wendungen immer wieder auf falsche Fährten zu locken. Auf den letzten Seiten überschlagen sich die Ereignisse noch einmal und die Auflösung ist verblüffend, aber logisch.

Sorry hat also alles was zu einem guten Thriller gehört. Allerdings handelt es sich hier nicht nur von der Erzählweise her, sondern auch inhaltlich um einen sehr ungewöhnlichen Psychothriller. Die Polizei und die Ermittlungen kommen nur ganz am Rande vor und selbst die Frage nach dem Mörder spielt meiner Meinung nach nicht unbedingt die Hauptrolle. Viel mehr verschwimmt hier die Täter-Opfer Frage und bleibt dem Leser vorbehalten. Es geht um Vergeltung, Schuld, Sühne und Vergebung und in wie weit diese überhaupt möglich ist. Und nicht zuletzt ist auch die Freundschaft und die Reaktion der 4 Freunde auf diese Situation bzw. was sie aus ihnen macht eines der Hauptthemen.

Sorry ist ein düsterer, bedrückender und verstörender Thriller. Aufgrund der verflochtenen Erzählweise, der Thematik und der Stimmung des Buches keine einfache Lektüre für zwischendurch, sondern eher ein Buch, dass noch sehr lange nachwirkt und nachdenklich stimmt....


Fazit:

Ich kann dieses Buch nur jedem Thriller Fan ans Herz legen, der auf der Suche nach etwas ungewöhnlichem ist und verflochtene, verstrickte Handlungen liebt. Es ist jedoch definitiv nichts für zart besaitete Menschen und als Einstieg in dieses Genre auch weniger geeignet, denn das Buch ist teilweise sehr brutal und blutig. Bereits der Mord im ersten Kapitel könnte grausamer nicht sein und wird in allen Einzelheiten geschildert und auch andere Themen, die zwar unblutig sind, aber dennoch sehr auf die Psyche schlagen werden äußerst detailliert beschrieben.

Für mich war es allerdings ein Lesehighlight des vergangenen Jahres und ein Buch, dass ich sicher noch sehr lange in Erinnerung behalten werde. Weitere Werke des Autors habe bereits auf meine Wunschliste gesetzt.




Deshalb von mir 5 von 5 Sternen!




  

Kommentare:

  1. Das Buch steht schon seeehr lange auf meiner Wunschliste! Deine Rezension klingt echt toll, hätte gar nicht gedacht, dass das Buch so viel mitbringt! Danke für die Empfehlung, ich mach mal gedanklich einen großen Kringel hinter das Buch! :D

    LG, WortGestalt

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    1. Huhu,
      ja das war eines meiner Thrillerhighlights letztes Jahr. Was den blutigen Anteil angeht bist du sicher einiges gewöhnt ;) Ich glaub da war auch nur das erste Kapitel richtig krass. Aber es kommt auch ein anderes Thema vor, was ziemlich auf die Psyche schlägt. Werde es dir natürlich nicht verraten, das nur als kleine Vorwarnung. Das hat bei mir auch noch ganz lange nachgehallt und überhaupt empfand ich das Buch und die Atmosphäre darin als ziemlich verstörend.
      Ich fand es aber trotzdem oder auch deswegen klasse. Es war mal ein tiefgründigerer Thriller und von der Erzählweise her ganz anders und auch vom Inhalt und überhaupt halt nicht das gleiche 0815 Schema. Ich wäre gespannt wie du es finden würdest.
      Ich wollte eigentlich schon längst was anderes von ihm lesen. Ich habe von Drvenkar jetzt noch "DU" auf dem SUB. Da weiß ich aber nach dem Klappentext so gar nicht in welche Richtung es gehen wird. Es klingt nach Thriller, sieht auch so aus, ist aber als Roman vorn drauf bezeichnet. Ist aber anscheinend auch richtig gut angekommen, wenn man sich die Bewertungen so anschaut. Und ich krieg gerade auch wieder richtig Lust drauf :D
      Der Autor scheibt übrigens auch noch Kinderbücher. Krasse Mischung!

      Na denn ich werde jetzt mal noch etwas in "Eene Meene" reinlesen :D
      Liebe Grüße, Julia

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    2. Kinderbücher? Uh ha, na da lebt jemand aber zwei Extreme aus! :D Ich bin durch deinen Kommentar jetzt NOCH neugieriger auf das Buch und werde beim nächsten Besuch im Buchladen mal die Augen danach offen halten, klingt wirklich lesenswert!

      LG, WortGestalt

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  2. Hallo liebe Julia! :-)

    Ich war bei der Blog-Leserunde zu "Sorry" bei Andrea dabei, da hast du ja auch ein paar mal vorbei geschaut und noch mitdiskutiert...^^

    Und jetzt wollte ich dich fragen, ob ich deine Rezension hier verlinken darf?
    Ich bin nämlich hier Mitglied: https://bloggervernetzt.wordpress.com/ und dort sammeln wir zu allen möglichen Büchern Rezensionen - und von den unterschiedlichsten Blogs - und verlinken sie dort. Das soll nämlich irgendwann zu einem ganz großen Blogger-Rezensions-Netzwerk werden. ;-)

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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    1. Hallo,
      na klar sehr gern darfst du Rezensionen von mir da verlinken. Tolles Projekt übrigens, ich bin gespannt, wie es sich entwickelt.

      Liebe Grüße, Julia

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